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1 Jahr nach der Ankunft

Facebook bringt die Fotos unserer Australien-Abschiedsreise im August 2015 Tag für Tag wieder zum Vorschein. Auf der einen Seite ist es schön, in Erinnerungen zu schwelgen, auf der anderen Seite schwingt doch etwas Wehmut mit. Deshalb haben wir uns für das nächste Jahr einen Besuch in DownUnder fest vorgenommen. Diesmal entkommt uns der Whaleshark nicht J. Vielleicht verbinden wir diese Reise mit einer längeren Auszeit – mal sehen, ob dieser Wunsch in Erfüllung geht.

In diesem Jahr werden wir es bei kürzeren (Städte)-Trips belassen. Einfach um öfter „raus zu kommen“ und etwas Pause vom Alltag zu haben. Allerdings erfordert der Hausumbau doch mehr Präsenz als gedacht. Trotz Bauleiter & Co.: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser… Insgesamt schreitet das Projekt voran – langsam, aber stetig. Wir hoffen, zum Jahresende fertig zu sein - Deutsche Bürokratie sei Dank. Immerhin: Die Küche ist bereits fertig ausgeplant.

Unsere bereisten Stationen in diesem Jahr können sich dennoch sehen lassen: Nach dem Jahreswechsel auf Sylt folgten Portugal, Friedrichshafen, Zürich, Wien, Heidenheim und Dresden.  Griechenland und ein Urlaub in den Bergen stehen uns noch bevor. Insgesamt stelle ich aber fest: Ich werde wieder ruhiger und der „Fluchtinstinkt“ nahm mit der Zeit deutlich ab.  

In Zürich haben wir Catherine und Roman besucht, die wir 2015 auf unserer Kreuzfahrt in Hawaii kennengelernt haben. Wie schön, dass dieser Kontakt über die Distanz erhalten geblieben ist! Ebenso wie der fortwährende Austausch mit Freunden in Beijing und Sydney. Mal mehr, mal weniger intensiv. Skype, WhatsApp und Facebook machen es möglich, aber dennoch ist es keine Selbstverständlichkeit und ich honoriere es umso mehr. Kürzlich kam eine Bekannte aus Peking in Nürnberg vorbei. Mit ihr traf ich mich spontan zum Kaffeekränzchen, bevor sie weiter nach Belgien reiste – die Welt rückt zusammen und das ist gut so!

In Wien haben wir unseren 7. Hochzeitstag im 7. Bezirk verbracht – „Neubau“ erschien uns vor dem Hintergrund des Umbaus einfach passend J.

Nach 5 Jahren war ich Anfang Juni mit meiner Mädels-Kombo wieder auf Ibiza. Nach wie vor herrscht eine tolle Atmosphäre: Ein entspanntes „Leben und Leben lassen“. Gleichzeitig so mitreißend – die Insel ist immer eine Reise wert!

Mein Mann arbeitete diesen Sommer am Erhalt seines Flugscheins, was unsere Freizeitplanung bestimmte. Ansonsten beschäftigen uns am Wochenende die „üblichen Verdächtigen“: Aus aktuellem Grund natürlich das Haus, aber auch Familienfeiern, DTM am Norisring, Konzerte nah & fern (erwähnt seien die Katharinenruine in Nürnberg, Klassik am See in Erlangen und die Opernfestspiele in Heidenheim), Geburtstage und Treffen mit Freunden. Was uns sehr freut, ist die Fülle an neuen Restaurants, die in Nürnberg seit Jahresbeginn Wurzeln schlagen. Da verschaffen wir uns natürlich gleich einen ersten Eindruck J. An meinem Geburtstag hat dann aber doch die Landeshauptstadt München das Rennen gemacht und im Shane’s wurde uns ein köstliches Überraschungsmenü kredenzt! Aber auch die anderen besuchten Städte standen dem kulinarisch in nichts nach: Wien, ein ganz heißer Tipp!

Positiv sei noch unser Whisk(e)y-Tasting in Fürth erwähnt: Ich hätte nicht gedacht, dass man mit vier unbekannten Franken so viel Spaß haben kann – das Vorurteil des miesepetrigen und in-sich-gekehrten Zeitgenossen haben wir damit deutlich entkräftet J.

Das Musikfestival Open Beatz (im mittelfränkischen Nirvana) war, im wahrsten Sinne des Wortes, gigantisch, aber leider etwas überschattet von den Amokläufen und Attentaten dieser Tage, die kurz hintereinander in nächster Umgebung (in Würzburg, München und Ansbach) stattfanden. Damit ist der Terror schließlich auch hier angekommen. Das hätte ich kürzlich in diesem Umfang nicht für möglich gehalten. Nach dem ersten Schock, gepaart mit Wut und Ohnmacht, folgte die Gewissheit: Unbedingt weitermachen, um den Geisteskranken nicht das Feld zu überlassen! Wenn es hier passiert, ist man nirgendwo mehr sicher. Der Blick in die Nachrichten dieser Tage bestätigt das leider.

Mein Patriotismus steigt spürbar und langsam setzt auch in breiteren Gesellschaftsschichten ein Umdenken ein und Idealisten müssen einsehen, dass sie an der einen oder anderen Stelle zu blauäugig waren. Die Realität spricht eine zu deutliche Sprache…

Sport spielt nach wie vor eine große Rolle in unserem Leben. Im März haben wir am Erlanger Winterwaldlauf teilgenommen und das erste Mal im Wettkampf 10 km bewältigt – mit etwa einer Stunde lagen wir zeitlich gar nicht so schlecht. Im Juli haben wir den Lauf um die Coburger Veste gemeistert - 10 km und 150 Höhenmeter waren eine Herausforderung, die wir gut gemeistert haben. Jetzt spielen wir mit dem Gedanken, im Oktober einen Halbmarathon zu bezwingen. Wobei dieser Gedanke doch etwas furchteinflößend ist J.

Selbstoptimierung hatte einen hohen Stellenwert für mich nach der Rückkehr. Man könnte es auch „Selbstfindungsphase“ nennen, immer auf der Suche nach einem höheren Ziel und der Überlegung: Das kann doch jetzt nicht alles gewesen sein – an irgendeiner Stellschraube muss sich doch drehen lassen. Somit folgten auf einen Selbstverteidigungskurs die Teilnahme an einer Gesundheitsstudie (die mein metabolisches Alter mit 25 bestimmte J), ein Berufsorientierungs-Seminar und schließlich ein Vorstellungsgespräch. Die Erkenntnisse daraus: „Es ist gerade ok, so wie es ist“ und „ich selbst weiß am Besten, was gut für mich ist“. Der Weg ist das Ziel und so kamen während dieses Prozesses noch weitere Erkenntnisse ans Tageslicht. Das war es wert!

Anstrengend ist der Alltag, auch wenn wir vom Sommerloch, der Ungewissheit im Büro und der daraus resultierenden Flaute profitiert haben. Ein hektisches letztes Quartal schickt seine Schatten voraus.

Beruflich konnten wir im Juli die Früchte des Auslandsaufenthalts ernten und genießen – wenn auch mit Verzögerung. Jedenfalls freut sich meine „Beförderungskette“ über Zuwachs - einen neuen Anhänger als Belohnung J. Nach der zeit- und nervenaufreibenden Umstrukturierung in meiner Firma nebst Mitarbeiterreduktion, ergeben sich jetzt neue Chancen, was etwas mehr Schwung verspricht, aber natürlich auch Engagement erfordert. Leider haben während der vergangenen Monate mehrere langjährige und liebgewonnene Kolleginnen das Handtuch geworfen, was sehr schade ist! Alles bleibt anders...

Ein Jahr nach unserer Rückkehr können wir nun wirklich überzeugt sagen: Ja, wir sind angekommen. Das hat sicherlich auch mit der beruflichen Anerkennung unserer Leistung zu tun. Aber auch damit, dass wir das Leben in Deutschland wieder annehmen und akzeptieren können. Die politische Großwetterlage versuchen wir so gut es geht auszublenden. Es wird einfach nicht besser. Aber stürmische See gibt es immer und überall.

Was mich kurz auf das Thema „Wetter“ zu sprechen kommen lässt: Selten war es so unstet wie in diesem Jahr – auf unwetterartige Regenfälle folgt strahlender Sonnenschein. Das ist die einzige Konstante. Eine Achterbahnfahrt ist nichts dagegen!

Apropos Achterbahnfahrt: Wir warten einfach mal ab und sind gespannt darauf, was das Leben noch für uns bereithält. Ich hoffe, die Zeit in China und Australien waren nicht die einzigen Highlights!

1 Kommentar 31.8.16 17:44, kommentieren

6 Monate später

Deutschland, Mitte Januar 2016. Nachdem die letzten Monate für die Jahreszeit sehr warm (und entsprechend angenehm waren) hat nun der Winter mit Eis und Schnee zugeschlagen. Sonst ist alles beim Alten. Das Dschungelcamp läuft im Fernsehen, wie seit Jahren im Januar. Der Unterschied ist: Zum letzten Mal habe ich es 2014 angeschaut, bevor ich meine Reise nach China angetreten habe. Am 28. Januar 2014. Das ist nun fast 2 Jahre her. Nach China ging es weiter nach Australien. Das Land des Dschungelcamps ist mir nun vertraut und kein fernes Ziel am anderen Ende der Welt mehr.

Auch sonst hat sich einiges geändert. Ich habe mich verändert, aber auch mein Heimatland und die Umstände. Überhaupt scheint die Welt aktuell Kopf zu stehen.

Unbeschwert und glücklich sind mein Mann und ich nach unserer Australienrundreise im August 2015, die das Ende meines Aufenthalts in Down Under markierte, nach Deutschland aufgebrochen.

Wir waren wieder zusammen, das war die Hauptsache. Über einen Stop-Over in Peking ging es mit der Leichtathletik-Nationalmannschaft zurück nach Hause. Deutschland empfing uns mit Sonnenschein. Dunkle Wolken waren aber schon im Anmarsch.

Zurück ging es  in unser altes Leben, die bisherige Wohnung, der gleiche Arbeitgeber, die gewohnten und lieben Menschen rund herum. Aber von Anfang an war klar: Das alte Leben passte nicht mehr wirklich zu uns - wie nach einem Wachstumsschub.

Ich kann mich gut an den ersten Spaziergang nach der Landung erinnern. Mein erster Impuls war: Weglaufen. Wie eng und kleinkariert das alles war! Die Nachbarn, Häuser, Eigenarten: Nichts hatte sich verändert, alles war gleich! Ganz schrecklich.

Auf der anderen Seite ging es Schlag auf Schlag: Kaum in Deutschland angekommen, wurden die Grenzen für Flüchtlinge geöffnet. Menschenmassen strömten unablässig ins Land. Unaufhaltsam. Außer Jubel nichts gewesen. Teils hatte man den Eindruck, das Land hätte seinen Verstand verloren. Es gab keine Strategie, keinen Plan. Kein „Ja, aber… .“. Alles außer „Herzlich Willkommen“ war unerwünscht und kritische Gedanken verboten. Mundtot in Deutschland?!

Kurz danach dann die VW-Krise, der Abgasskandal war in aller Munde. Der nächste Dämpfer, der uns als Familie nach unten zog, auch wenn es keine direkten Auswirkungen hatte. Noch. Danach ging es direkt weiter: Anschläge in Paris, Übergriffe von Ausländern auf Frauen in der Silvesternacht in ganz Deutschland. Ohnmacht und Wut waren die Folge. Aber auch Hilflosigkeit gepaart mit der Frage: Was nun?

Im September machte ich das, was ich mir vorgenommen hatte: Freunde, Familie und Bekannte besuchen und Kontakte wiederaufleben lassen. Die Rückkehr ermöglichte mir auch, Abschied von meinem Opa zu nehmen, der im August verstorben war. Weiterhin hieß es: Ausmisten, Papierkram, Investitionsstau lösen und die Wohnung auf Vordermann bringen. Mitte September unterschrieb ich dann auch meinen Arbeitsvertrag und ab Oktober hieß es: Zurück ins Glied.

Es kam unverhofft, ich bin ohne konkreten Job in Aussicht aus Australien abgereist. Auf der einen Seite war ich unschlüssig, ob der Job überhaupt das ist, was ich will. Auf der anderen Seite freute ich mich sehr auf liebgewonnene Kollegen und wieder Teil eines funktionierenden Teams zu sein.

Gut war auch, dass mir der Job Struktur gab und es so einfacher machte, wieder in Deutschland anzukommen. Vom eigenen Gehalt und der damit verbundenen Unabhängigkeit mal ganz abgesehen.

Obwohl ich ja nicht allzu lange im Ausland war, gab es das ein oder andere Erlebnis, was mich nach der Rückkehr schmunzeln ließ: Die Vögel waren erstaunlich leise, statt ohrenbetäubendem Magpie-Geschrei am Morgen übernahm die Amsel den Weckgesang, was weitaus melodischer war. Obwohl ich in Australien nie Auto gefahren war, ordnete ich mich hier links im Verkehr ein. An Stammplätzen der Blitzer bremste ich wiederum automatisch, obwohl ich die Strecke lange nicht gefahren war.

Apropos fahren: Das war eine Umstellung! Vom Nutzer der öffentlichen Verkehrsmittel im Ausland zurück zum Pendler, mit 1.000 km die Woche. Nach wie vor sehr kräftezehrend.

Im Oktober und November nahmen wir dann nach und nach unsere Routinen wieder auf, im Job wie privat. Der Dezember stand dann üblicherweise ganz im Zeichen des vorweihnachtlichen Wahnsinns. Irgendwie erschreckend, wie schnell der alte Trott bei besten Vorsätzen wieder Überhand gewinnt. Einige positive Errungenschaften konnten wir bislang beibehalten. Allen voran: Laufen und gesündere Ernährung.

Genauso schnell ist man wieder genervt und erschöpft vom Alltag. Und das nach so kurzer Zeit! Ich vermisse die Höflichkeit der Australier. In Deutschland reagiert nach wie vor oft die Macht des Ellbogens. Wobei man hier ähnlich wie in Chinas „Inner Circle“ auch viele menschliche Momente erlebt.

Wir versuchen, uns so viel Neugierde wie möglich in den Alltag zu retten und Neues auszuprobieren, so wie wir es im Ausland auch gemacht haben. Allerdings stößt man im vertrauten Umfeld schnell an seine Grenzen. Viele weiße Flecken gibt es in der Heimat einfach nicht zu entdecken.

Dafür gehen wir wieder aus, in Konzerte und Restaurants. Treffen Freunde, die wir lange nicht gesehen haben aber pflegen auch Kontakte in Australien und China. Und auch das Reisefieber lässt uns nicht los. Silvester haben wir auf Sylt verbracht, um zumindest ein bisschen frischen Wind (im wahrsten Sinne des Wortes) in unser Leben zu bringen.

Das ist gelungen! Wir haben einige nette Bekanntschaften geschlossen und gute Gespräche geführt. Unsere im Ausland geschulte Offenheit kommt uns dabei zu Gute und auch hier gibt es zum Glück aufgeschlossene Menschen.

Unsere Partnerschaft hat sich auch wieder erholt. Sie war nie wirklich gefährdet. Aber eine Umstellung war es schon meinen Mann wieder täglich zu sehen und nicht nur im Urlaub. Da kommt auch das Gegenteil der Schokoladenseite zum Vorschein, was völlig normal ist aber dennoch eine Veränderung.

Wir sind wieder angekommen und es ist gut hier. Allerdings stehen wir nach wie vor mit einem Fuß in der Tür und sehnen uns nach neuen Abenteuern. Mal sehen was 2016, außer der Renovierung des Elternhauses meines Mannes, mit sich bringt.

Wir hoffen auf Abwechslung im grauen Alltag und verfolgen die Entwicklungen um uns herum zunehmend mit Unbehagen. Should I stay or should I go now?

Man weiß erst im Nachhinein, ob es richtig war. Der Mensch wächst mit seinen Herausforderungen.

Ein Jahr zwei Sommer – ich bereue keinen Moment!

28.1.16 20:23, kommentieren